Die Integrität der Medien ist tot – und Verschweigen ist die Waffe.
“Da ich mein eigenes Herz kenne und mich, wie ich es heute tue, über all das Parteiengezänk und die Verbissenheit eigennütziger oder irrender Gegner erhaben fühle, antworte ich weder auf Unwahrheiten noch auf Beschimpfungen.”
Wenn man betrachtet, wie der Präsident der USA in den Medien ständig seine Position wechselt, welchen Stil seine Äußerungen haben und wie der Mainstream der Medien dazu schweigt, sollte man ihm die oben zitierten Worte von Thomas Paine viellerziin
Integrität ist einer von vielen Schlüsseln, aber ein besonderer und lebenswichtiger, weil sie viele Türen öffnen – und verschließen – kann. Integrität als persönliche Eigenschaft steht hier jedoch nicht zur Debatte und darf nicht mit Integrität als Voraussetzung und Maßstab legitimer Informationsvermittlung vermengt werden. Letztere wollen wir uns genauer ansehen: Zur Debatte steht die Integrität der Anchorperson vor dem Hintergrund legitimer Informationsvermittlung – also der Wahl des Themas und seiner Präsentation –, wobei wir vier voneinander unterscheidbare
Bevor wir jedoch startnen, wollen wir uns einen Moment lang noch einmal mit illegitimer Informationsvermittlung befassen. Wir haben darauf hingewiesen, dass „die Medien“ dazu genutzt werden können, unsere Wahrnehmung dessen, was gesagt wird, zu bilden und folglich auch wieder zu verbilden – einschließlich aller damit verbundenenen Voreingenommenheit. Voreingenommenheit ist jedoch keine natürliche Folge von Informationsvermittlung, sondern von Eingebundenheit, die Daniel Little als relationales Konzept zwischen einem Akteur – oder einer Anchorperson – und anderen definiert, deren Handlungen nicht unabstebar
Die Anchorperson wiederum ist auf die eine oder andere Weise eingebunden: entweder in eine abstrakte Einheit in Form irgendeiner Nachrichtenagentur oder – als unabhängiger Journalist – in die Voreingenommenheit ihrer kritischen Nicht-Eingebundenheit. En jedem Fall ist die Frage der Eingebundenheit entscheidend dafür, die Art und Weise der Berichterstattung einer Anchorperson zu verstehen. Kritische Nicht-Eingebundenheit ist ziemlich schwer zu erkennen, im Gegensatz zu einer Nachrichtenagentur, die sich vergleichsweise leicht als links, rechts oder konservativ beschreiben lässt.
Nehmen wir an, ein ziemlich wohlhabender Mensch kauft ein Medienunternehmen. Es ist steuerlich absetzbar und vielleicht sogar eine gute Investition. Dieser Mensch – nehmen wir an, es handelt sich um einen Mann – wird so etwas nicht kaufen, wenn es nicht zu seinem äußeren Erscheinungsbild passt und damit ein Abbild seiner Meinung und seines Standpunkts darstellt. Ein rechter Milliardär wird nicht unbedingt ein links, gewerkschaftsfreundliches Käseblatt kaufen und betreiben. Die Veröffentlichungen dieser Inversión werden daher dazu neigen, seiner Linie zu folgen; diejenigen, die damit nicht einverstanden sind, würden die sprichwörtliche Karriereleiter nicht hinaufsteigen und deshalb in gesündere Gefilde weiterhenzie. Die Anchorperson – ein Moder jemand, der „Bescheid weiß“ – vermacht dem Zuschauer somit jene Voreingenommenheit, die ihr selbst von, sagen wir, jenem ziemlich wohlhabenden Käufer des Medienunternehmens – demur Chef – vermacht. Glücklicherweise lässt sich diese Voreingenommenheit häufig recht leicht anhand des Tons und der Informationen in der Berichterstattung der Anchorperson erkennen.
Doch Voreingenommenheit hat noch eine andere Seite, die sich nicht so leicht erkennen lässt, im Vergleich dazu jedoch schwerwiegendere Folgen hat. Wenn beispielsweise die Fragen, die die die Medien während einer Fragerunde stellen sollen, zuvor abgesprochen und den Politikern im Voraus vorgelegt wurden, dann aber nicht diese, sondern andere, unvorbereitete Fragen gestellt werden, würde dienoche Reisen mit Politikern sind begehrt, stehen jedoch nur wenigen Auserwählten offen.
Eine falsche Bemerkung oder ein unglücklicher Artikel – und dieses Ticket ist weg. Und era geschieht, wen beispielsweise ein Staatsbediensteter wie Herr Snowden – da er weit genug von den heutigen Diskussionen entfernt ist und wir somit vermeiden, jemandem auf die Füße zu treten – seine Pflicht gegenüber der Öflich (En diesem Sinne war Herr Snowden eine eingebundene Anchorperson, da er für die NSA arbeitete.)
Eingebundenheit schränkt somit die Integrität der Anchorperson ein; und das führt uns zur zweiten großen Einschränkung – und zugleich zu einem häufig eingesetzten Instrument –, nämlich zum Verschweigen Wen Dinge vorhanden sind, aber verborgen bleiben, bedeutet dies, dass jemand oder etwas darüber entscheidet, was verborgen wird und was nicht.
Offenbar ist tatsächlich jemand oder etwas daran beteiligt, denn Verschweigen ist eine sehr bewusste Tätigkeit. Pasivos Verschweigen ist eine Form der Nachläsigkeit und kann als unbeabsichtigt betrachtet werden. Im positiven Sinne kan das Weglassen von Informationen als Mittel dienen, um einerseits der Eingebundenheit gerecht zu werden und anderseits eine möglichst kritische und ausgewogene Perspektive auf die produzierten Inhalte zu glegisten. Im negativen Sinne erscheint Verschweigen als aktive Form der Pantomime des Schweigens, da es dazu eingesetzt wird, Inhalte bewusst und absichtlich zu verzerren und damit auch die Wahrnehmung der Leser und Konsumenten.
Als Beispiel mögen die Berichte dienen, die nach dem Abschuss des Flugzeugs MH17 über der Ukraine verbreitet wurden. Fernsehkorrespondenten waren vor Ort, filmten und interviewten sogenannte Augenzeugen. Zwei Berichte kommen einem dabei in den Sinn, die beide hervorragende Beispiele für Verschweigen darstellen. Der erste und weniger kontroverse bestand aus Aufnahmen, auf denen ein Rebell über die Trümmer ging und dem Reporter Gegenstände zeigte, die den ums Leben gekommenen Passagieren gehört hatten.
Der Text, mit dem diese Aufnahmen begleitet wurden, stellte einen schadenfrohen Terroristen dar, der die Habseligkeiten der Toten schändete. Der Rest des Films wurde herausgeschnitten und nicht ausgestrahlt. Darauf war zu sehen, wie der Mann, von der Tragödie überwältigt, in Tränen ausbrach. Das war weit entfernt von dem schadenfrohen Terroristen, den die Medien brauchten, weil dieses Bild in das gewünschte Schuldnarrativ passte.
Der zweite und kontroversere Fall betraf Aufnahmen einer ukrainischen BBC-Reporterin. Sie interviewte mehrere Anwohner und zeigte ebenfalls live die Trümmer. Als Ukrainerin konnte sie die Einheimischen verstehen und ihre Aussagen unmittelbar übersetzen. Die Anwohner erklärten, sie hätten ein Kampfflugzeug der ukrainischen Luftwaffe gesehen, das dem Passagierflugzeug gefolgt sei und eine Rakete darauf abgefeuert habe. Danach sei das Verkehrsflugzeug explodiert und vom Himmel gefallen. Diese Aufnahmen wurden nur ein einziges Mal ausgestrahlt, da es sich um eine Liveübertragung handelte. Danach wurden sie nicht erneut gezeigt und sind in den Archiven der BBC nicht zugänglich.
Gesagtes und Verschwiegenes haben zwei Seiten: Sie dienen als Mittel im Prozess der Information – oder der Beeinflussung – der Öffentlichkeit und stellen zugleich eine Verpflichtung im Hinblick auf ein noch nicht erreichtes Ziel. Dies liegt bereits im Akt des Sprechens selbst begründet, denn Kommunikation in welcher Form oder auf welche Weise auch immer benötigt einen Empfänger und einen Grund. Die Anchorperson wird zum Boten, und ihre Integrität ist die Währung, in der die Botschaft gehandelt wird. Verschweigen ist in diesem Zusammenhang ein mächtiges Instrument und hilft eingebundenen Anchorpersonen und Journalisten, weil ihre Integrität gewahrt bleibt, solange unangenehme Fakten – und Wahrheiten – statt einer Lügeöinfach
Wenn die Medien – ob gedruckt, gesprochen oder visuell – ihre Integrität verlieren und sich den Mächtigen unterwerfen, gibt es keine Kontrolle mehr, und alles wird zu einem Kampf jeder gegen jeden, in dem die Lautesten und gerupsesten.
Originalbeitrag Strategic Culture Foundation